Vertrauen gewinnen

Das Vertrauen eines Kaninchens zu gewinnen ist etwas ganz besonderes. Denn in der Natur weiß jedes Kaninchen, dass der Mensch sein Feind ist. Wieso also sollten Kaninchen einem Menschen vertrauen?

Um das zu schaffen braucht es sehr, sehr viel Geduld. Allerdings möchte ich euch hier zeigen, wie es funktionieren kann.


Vorneweg etwas: Ich unterscheide zwei Stufen des Vertrauens. Die erste ist das Vertrauen, dass das Kaninchen dir aus der Hand frisst und sich dir freiwillig nähert. Die zweite Stufe ist, dass sich das Kaninchen freiwillig (!) streicheln lässt und sich gerne in deiner Nähe aufhält, sich vielleicht sogar an dich kuschelt.

Manche Kaninchen werden diese zweite Stufe niemals erreichen. Diese Kaninchen sind dann nicht besonders dumm, oder zu schüchtern, sie tun nur das, was sie für richtig halten, um keine Angst haben zu müssen. Und das ist völlig in Ordnung! Auch wir Menschen haben ganz unterschiedliche Charakter und sind unterschiedlich mutig.


1. Was bedeutet Vertrauen?

Bei Kaninchen ist Vertrauen schon etwas, das wir Menschen vielleicht als normal ansehen würden. Wenn ein Kaninchen sich dir vorsichtig nähert, vertraut es dir. Wenn es dir aus der Hand frisst, vertraut es dir sehr. Wenn es sich freiwillig (!) von dir streicheln lässt, dann ist das schon etwas sehr besonderes!

Erwarte nicht zu viel von einem Kaninchen. Sie sind nämlich eigentlich Fluchttiere und würden in der Natur niemals einem Menschen vertrauen. Menschen sind ihre Feinde.

 

2. Wie kann ich Vertrauen zu meinem Kaninchen aufbauen?

Merke dir dazu folgenden Grundsatz: Um Vertrauen aufzubauen, muss es lernen, dass von dir nur Gutes kommt.

Und zwar wirklich nur Gutes, was das Kaninchen als gut betrachtet. Es muss langsam lernen, dass du der- oder diejenige bist, der ihm Futter und Wasser bringt. Dass es sich dir nähern und dich beschnuppern kann, ohne dass du es beachtest. Dass du, bevor du es streichelst (wenn euer Vertrauen schon so weit ist), zuerst deine Hand zum Schnuppern vor seine Schnauze hältst. Dass du es nicht beim Putzen, Fressen oder Schlafen störst. Dass du es niemals hochnimmst. Dass du nicht laut bist und es nicht erschreckst. Dann kannst du langsam versuchen, ihm Leckerlies aus der Hand zu füttern. Nimmt es sie, ist das gut, dann kannst du es noch ein paar Mal machen. Nimmt es sie nicht, ist das auch in Ordnung. Versuche es wieder. Jeden Tag, bis es klappt. Macht es das, lass es an deiner Hand schnuppern und streichle es vorsichtig über die Schnauze. Achte dabei auf seine Körpersprache. Sitzt es angespannt da, hat die Augen weit offen und stellt/dreht die Ohren? Dann hör auf und versuch es ein anderes Mal wieder! Wenn es die Ohren und den ganzen Körper locker lässt, streichel es vorsichtig weiter. Zu Belohnung kannst du natürlich auch immer einen kleinen Leckerbissen verfüttern.

Alle anderen Sachen, für die es dir vertrauen muss, lernt es genau so auch. Von dir darf niemals etwas Schlechtes kommen und das Kaninchen muss, wenn es keine Lust mehr hat, auch weggehen können und du musst es in Ruhe lassen.

 

3. Was sollte ich besser nicht tun?

Dinge, die ihm nicht gefallen (z.B. streicheln, hochnehmen, es durch schnelle Bewegungen oder laute Geräusche erschrecken, ihm irgendwas aufzwingen, was es nicht mag, es beim Putzen, Fressen oder Schlafen stören, ihm keine Möglichkeit geben, von dir wegzugehen, wenn es das möchte, ...).

Es bestrafen, wenn es nicht das macht, was du möchtest (etwa durch schlagen oder Futter verweigern).

Zu viel von ihm erwarten. Ein Kaninchen ist kein Hund! Respektiere es, wie es ist und wenn es trotz viel Geduld nicht zutraulicher wird, dann respektiere auch das. Es hängt vom Gemüt des einzelnen Kaninchens ab und das kann man nicht ändern!

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